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Es lebt! Gemüse fermentieren wird dein neues Hobby

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Ich stehe nach wie vor zu meinen Worten aus unserem Kimchi-Beitrag: Kontrolliertes Vergammeln lassen ist der Shit!

Und grundsätzlich ist die Fermentation von Gemüse nichts anderes. Auch wenn es nicht gerade appetitlich klingt, das gebe ich zu. Frisches vom Markt wird – im Regelfall – zusammen mit Salz und Wasser in Gärgefäße gepackt, verschlossen und dann wartet man/fermentiert man selbst ein wenig in der Jogginghose auf der Couch herum, bis das Zeug sauer und je nachdem etwas streng, aber immer noch appetitlich riecht. Also, das Gemüse, nicht die Joggingbuchse. Voila, schon haben wir die älteste Konservierungsmethode der Welt wiederentdeckt. Gratulation.

Aber die Fermentation dient nicht nur und ausschließlich zur Haltbarmachung, manche alltäglichen Produkte wie (Soja-)Joghurt oder Essig gäbe es ohne die mikrobielle oder enzymatische Umwandlung gar nicht.

Und was sollen wir sagen? Seit unseren ersten Experimenten mit Kimchi, Sauerkraut, Chilisaucen, Kombucha, selbstgebrautem Bier und natürlich Sauerteigbroten sind wir hooked. Und wir sind nicht alleine, hochklassige Restaurants quer über den Globus entdecken das Handwerk wieder. Es war aber auch an der Zeit, dass Sauerkraut und seine fermentierten Freunde endlich die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdient haben. Und darum geht es in diesem Beitrag: Um das Haltbarmachen von Gemüse mit Hilfe von Milchsäurebakterien.

Ferment all the things!

Abgesehen von den vielen gesundheitlichen Vorteilen, auf die später eingegangen wird, öffnet das Fermentieren einfach auch neue, verdammt vielschichtige Geschmackswelten.

Es lebt! Gemüse fermentieren wird dein neues Hobby

Superfood neu entdeckt

Die Gemüse-Fermentation hat kein Hipster aus Neukölln erfunden, der regelmäßig an Schnurrbartwettbewerben teilnimmt und sich damit die täglichen Matcha-Lattes finanziert. Es ist auch nicht in irgendeiner experimentellen Kopenhagener Küche entstanden, scheinbar dem Ursprung der neuen High-Class-Küche. Fluch und Segen der Neuzeit und der technischen Revolution haben wir es sozusagen zu verdanken, dass fermentierte Lebensmittel zeitweise so gut wie von unseren Tellern verschwunden sind. Die besagten Hipster und Dänen haben das Interesse am Handwerk einfach wieder aus der Versenkung gebuddelt. Und dafür sollten wir ihnen danken. Ja, auch dem Hipster, dem die Matcha Latte jetzt im Bart hängt. Sag’ ihm nichts, sieht einfach zu lustig aus, wie ihm die grünen Reste so unter der Nase baumeln.

Das milchsaure Einlegen diente natürlich seit der Jungsteinzeit der Haltbarmachung der Lebensmittel und mit dem Kühlschrank und den ersten industriell hergestellten und befüllten Konservendosen und Tiefkühltruhen im Supermarkt fiel der Zwang zur Fermentation ab den 50er Jahren quasi weg.

Nicht falsch verstehen: Wir sind dankbar über unseren „Kühli“ und lieben ihn auch. Traurig ist es dennoch, dass er eine Teilschuld daran trägt, dass heutzutage in den meisten Fällen nur noch gekauftes Sauerkraut auf unseren Tellern landet, Pülverchen und Kerne, denen man das Buzzword Superfood auf die Packung stempelt dagegen für absurdes Geld über die Kassenbänder wandern.

Günstiger und in vielen Fällen auch leckerer ginge das mit diesem Superfood zu Hause, denn Fermentiertes ist definitiv super. Vielleicht sogar mega. Wäre Megafood ein akzeptabler Begriff? Ich bin bereit zur Diskussion. Einfach wäre es auch, aber wie es so oft passiert mit handwerklichen Aufgaben in der Küche gewinnt die Bequemlichkeit oder der viel zu volle Terminkalender Oberhand und so verkam auch das Fermentieren von Gemüse nach und nach zur Liebhaberei.

Bis jetzt, denn das Interesse steigt in den vergangenen Jahren immer weiter und wir steuern jetzt auch noch unseren Teil dazu bei, dass Gemüse fermentieren wieder hip wird.

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Was passiert bei der Fermentation?

Der Prozess der Fermentation macht Lebensmittel bekömmlicher, erhält Vitamine und Mineralstoffe, erhöht den Nährstoffgehalt, den der Körper verwerten kann teilweise sogar, fördert die Verdauung und – naja – macht das Kraut, den Rettich, die Gurke, was immer du eben auch ins Glas packst eben auch haltbar.

In der Theorie kannst du jedes Gemüse fermentieren, wobei sich manche Gemüsesorten besser, manche weniger gut eignen, was auch vom eigenen Geschmack abhängt.

Der Ablauf ist grundsätzlich auch immer gleich: Die Lebensmittel werden gut gewaschen, mehr oder weniger klein geschnitten, zusammen mit Salz kompakt in ein Gefäß gefüllt, vielleicht sogar noch mit Hilfe eines Stößels gestampft und mit Wasser bedeckt, falls sich durch das Stampfen nicht ohnehin schon genug Flüssigkeit gebildet hat. Das Ganze bleibt dann ein paar Tage stehen und fertig ist dein Gemüse.

Während dieser Zeit verstoffwechseln Milchsäurebakterien, die sich ohnehin schon auf dem Gemüse befinden Pflanzenteile und Ballaststoffe und setzen diese unter anderem in die namensgebende Milchsäure, Milchsäurebakterien und CO2 um. Das Salz kümmert sich darum, dass die anderen, für unser Kimchi, Sauerkraut oder was auch immer du zubereiten möchtest schädlichen Mikroorganismen sich nicht allzu sehr aufspielen können.

Das schafft es, indem es dem Gemüse Flüssigkeit entzieht und so die bereits erwähnte Lake produziert, unter der alles bedeckt sein sollte. Milchsäurebakterien benötigen nämlich – anders, als viele der Mikroorganismen, die wir nicht im Glas haben wollen – keinen Sauerstoff zum Überleben, sie sind also anaerob. Das an sich nicht ganz so gemütliche Klima hindert so beispielsweise Schimmel an der unkontrollierten Ausbreitung.

Theoretisch funktioniert die Fermentation auch ohne Salz und ausschließlich, indem man genau darauf achtet, dass die zu fermentierenden Lebensmittel immer vollständig mit Wasser bedeckt sind, allerdings sorgt das Salz zum einen für eine bessere Konsistenz, zum anderen für einen besseren Geschmack und außerdem macht es die Fermentation um einiges einfacher und sicherer.

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Ooooohhh, tasty!

Säure ist das geschmackliche Element, mit dem ein Koch im Regelfall am meisten Einfluss auf ein Gericht hat. Bitterkeit, Süße und Umami bringen meist die Zutaten mit, wie bittere Zitronenschale, süße, geschmorte Zwiebeln oder Karotten, Umami von Pilzen oder Tomaten, denn Glutamat ist ja böse (Spoiler: Ist es nicht. Willst du wissen, warum? Schreib’ mir einen Kommentar.). Salz wird als Würze verwendet und muss einfach in einem gewissen Maß sein, viel Spielraum gibt es hier nicht. Mit einer sauren Komponente dagegen hat man alle Freiheiten, um den Geschmack eines Gerichts auszubalancieren.

Und fermentierte Lebensmittel sind ein perfektes Hilfsmittel dafür. Logisch, heißt ja schon milchsauer.

Aber (und eigentlich sollte ich jetzt hier so gefühlt drölf Ausrufezeichen dahinter setzen), bei der Fermentation werden auch Aromastoffe, also Umami gebildet – was meinst du, warum Sojasauce und Miso so gut schmecken? – fermentierte Lebensmittel dienen also auch als vollkommen natürlicher „Geschmacksverstärker“ in der Küche.

Das haltbar gemachte Gemüse solltest du also auf jeden Fall nicht nur als Topping oder Beilage, sondern auch als würzende Zutat sehen. In Korea gibt es Kimchi nicht nur zu beinahe jedem Essen, viele klassische Rezepte basieren auf Kimchi oder auf dem Sud alleine.

Zusätzlich verändert sich auch die Konsistenz des Gemüses. Faserige Pflanzenteile werden aufgebrochen und lassen sich so besser kauen. Harte Gemüsesorten bleiben dabei knackig und al dente. Weiche Lebensmittel wie Tomaten zerfallen, die Fermentationszeit darf hier also auch kürzer ausfallen.

Schmeckt, als wäre es gesund

Auch wenn ganz gerne behauptet wird, dass fermentiertes Gemüse massig Vitamine enthalten und diese sogar über die Fermentation selbst gebildet werden, stimmt das nicht wirklich. Vielleicht ist das sogar eine der sich am längsten haltenden Urban Legends überhaupt. Schuld an der Behauptung ist Captain James Cook, dem bei seiner Weltumseglung vor etwa 250 Jahren die Mannschaft nicht mehr reihenweise an Skorbut flöten ging. Das fand er irgendwie eigenartig und überlegte sich, woran es liegen mochte, dass er ausnahmsweise mal mit relativ vielen noch lebendigen Matrosen zurück kam. An Bord war auch Sauerkraut und weil der Mensch immer gerne einfache Lösungen bevorzugt, war Sauerkraut ab diesem Zeitpunkt aus welchen Gründen auch immer als Vitamin C-Bombe bekannt.

Tatsächlich wird das Vitamin im Sauerkraut gut konserviert, frisches Kraut hat aber immer noch mehr.

Fermentierte Lebensmittel werden auch häufig zusammen mit dem Schlagwort Vitamin B12 erwähnt. Dieses Thema, das Veganern immer mit als erstes von Omnivoren an den Kopf geworfen wird. Machen wir es kurz: Nein, Kimchi, Kombucha und Sauerkraut helfen nicht bei der Deckung des B12-Bedarfs. Ja, Veganer müssen weiterhin supplementieren.

Aber auch wenn sie nicht auf wundersame Weise Vitamine aus dem Nichts hervorzaubern, sind fermentierte Lebensmittel trotzdem extrem gesund.

Milchsäurebakterien sind Bestandteil unserer Darmflora, der wundersamen Schleimhaut-Welt und auch unserer Haut und schützen uns davor, dass sich dort Keime festsetzen, die wir da nicht haben wollen. Dafür braucht es aber ein ausreichend starkes Team „der Guten“ und da sich diese praktischerweise in fermentierten Lebensmitteln finden, unterstützt der ein oder andere Löffel Kimchi, die Portion Sauerkraut auf dem Sandwich oder sogar ein paar Spritzer fermentierter Chilisauce über die Good Life Bowl den Körper auch bei der Aufrechterhaltung dieses gesunden Gleichgewichts.

Davon abgesehen macht die Fermentation rohe Lebensmittel aber auch bekömmlicher, da Zellstrukturen aufgebrochen und für die Verdauung vorbereitet werden. Das kann auch bei leichten Unverträglichkeiten helfen, wer also sonst meint, mit Gluten nicht so gut zurecht zu kommen (ich spreche nicht von Zöliakiepatienten), sollte mal in Richtung Sauerteig schielen.

Zusätzlich können Mineralstoffe durch den Abbau der spurenelement-bindenden Phytinsäure besser aufgenommen werden.

Jetzt fragst du dich sicherlich: Warum sollte ich den Aufwand selbst machen und Gemüse fermentieren, wenn ich Sauerkraut doch auch im Bio- oder Supermarkt einkaufen kann.

Kannst du. Schmeckt auch. Zumindest mehr oder weniger. Aber das Ding ist: Es macht halt viel weniger Spaß. Außerdem wird das gekaufte Zeug im Regelfall nur kurz fermentiert. Klar, Zeit ist Geld. Die Bakterien hatten also wenig Gelegenheit, den Abbau der Pflanzenstoffe zu starten, was darin resultiert, dass der Vorteil mit der besseren Verdaulichkeit flöten geht.

Nach der Express-Fermentation wird die Glas- oder Dosenware erhitzt, um den Gärvorgang an einem bestimmten Punkt zu stoppen und Hitze mag der gemeine Lactobazillus so gar nicht. Die Produkte sind also mehr oder weniger tot.

An Marktständen, die Kraut frisch vom Fass verkaufen, darfst du dich aber natürlich bedienen.

Das Wie und Wo und so

Gratulation, dass du bis hier durchgehalten hast. Irgendwie ging es durch mit mir, was die trockenen Infos angeht. Ab jetzt krempeln wir die Ärmel hoch, es ist Zeit für die leckere Sauerei.

Die Ausstattung

Für deine erste Session in Sachen “Gemüse fermentieren” brauchst du nicht viel an Equipment. Eine große Schüssel, ein gutes Messer, eine einigermaßen genaue Küchenwaage, ein paar saubere, gut verschließbare Gläser ¹, etwas, mit dem du das Gemüse in den Gläsern „stampfen“ kannst und etwas zum Beschweren des Ganzen ¹.

Mehr ist es eigentlich nicht. Besser und schöner kann man sich aber natürlich immer ausstatten.

Eine gute Mandoline oder ein Food Processor sparen Zeit und Kraft, wenn du einen Jahresvorrat Sauerkraut anlegen willst und ein etwas schickerer Stößel, anstelle des ausgedienten Nudelholzes macht dich rein optisch einfach ab Tag 1 zum Fermentationsprofi.

Schöne Gärgefäße aus Steingut, wie sie in Korea typisch sind, sind hierzulande leider schwierig zu finden, aber so ein geerbter Sauerkrauttopf von der Omi macht auch viel her. Wer beides nicht hat, schnappt sich einfach ein paar Einmachgläser, für Mason Jars ¹ gibt es auch passende Beschwerer aus Glas ¹.

Da bei der Fermentation CO2 entsteht, sollten die Gläser während des Vorgangs nicht dicht verschlossen herumstehen. Wir wollen doch nicht, dass dir durch den entstehenden Druck im Gefäß das Sauerkraut um die Ohren fliegt, oder?

Bei klassischen Gläsern mit Klappdeckel nehmen wir den Gummiring ab. So kann das Gas entweichen, das Gemüse ist dennoch vor äußeren Einflüssen geschützt. Schraubgläser werden einfach nicht zu fest zugedreht und Steingut schließt ohnehin nicht völlig dicht. Alternativ können die Gläser auch einmal täglich vorsichtig, am besten im Spülbecken, geöffnet werden, um den Druck entweichen zu lassen.

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Salz

„Salzstreuer raus und fertig, oder?“

Nicht ganz. Auch beim Salz solltest du auf die Qualität und Art achten. Salz ist eben nicht gleich Salz. Hier habe ich schonmal etwas dazu geschrieben.

Raffiniertes Haushaltssalz mit Rieselhilfen können wir nicht gebrauchen. Jodsalz ist auch eher suboptimal. Du musst dich nicht in Unkosten stürzen, aber ein gutes Stein- oder Meersalz sollte es schon sein.

Probier’ dich auch durch verschiedene Salzsorten, du wirst dich vielleicht wundern, aber tatsächlich schmeckt Salz nicht immer gleich und ja, dieses pinke, mineralhaltige Flusssalz beeinflusst auch dein fermentiertes Gemüse.

Werden die Lebensmittel direkt mit Salz vermischt, verwenden wir in etwa 1-2 % Salz auf das Gemüsegewicht. Gießen wir mit Lake auf, verwenden wir etwa 3-5 % Salz. Die Regel lautet aber immer: Abschmecken, denn wie gesagt, Salz ist nicht gleich Salz.

Es lebt! Gemüse fermentieren wird dein neues Hobby

Es lebt!

Nur, falls du nach diesem ellenlangen Text schon wieder vergessen hast, was ich im zweiten Absatz geschrieben habe: Ich wiederhole den grundsätzlichen Vorgang beim Gemüse fermentieren nochmal. Und nur als Tipp: Fermentiertes stärkt auch das Erinnerungsvermögen. Behaupte ich.

  1. Gemüse gut säubern. Nicht gerade abkochen, aber so ein bisschen schrubben darf schon sein …
  2. … und schneiden. Kraut wird in der Regel fein gehobelt, Gemüsearten wie Blumenkohl und Karotten in mundgerechte Stücke geschnitten. Schalotten und Perlzwiebeln können auch mal nur halbiert oder im Ganzen gelassen werden.
  3. Entweder mit Salz vermengen und gut massieren, bis sich Lake bildet (das wäre dann bei Sauerkraut die klassische Methode und auch die Kimchi-Zubereitung beginnt so) oder in Gläsern mit Salzlake bedecken.
  4. Eventuell mit einem Blatt Kohl oder auch mit Weinblättern, die durch die enthaltenen Tannine für ein knackigeres Ergebnis sorgen, abdecken und beschweren. Das funktioniert gut mit einem Teller, der in das Gärgefäß passt. Oder mit speziellen Gewichten ¹. Häufig werden auch mit Wasser gefüllte Tiefkühlbeutel auf das Gemüse gepackt.
  5. Während der Fermentation sollte das entstehende CO2 entweichen können. Die Gläser also nicht komplett dicht verschließen, einen Gärspund ¹ benutzen oder einmal täglich “rülpsen” lassen. Dazu den Gärbehälter vorsichtig und langsam öffnen, bis das Gas entweichen konnte.
  6. Etwa 5-7 Tage warten und probieren. Schmeckt es gut, kann das Gemüse bei Bedarf umgefüllt und verschlossen in den Kühlschrank oder den kühlen Keller gepackt werden. Die Kälte bremst die Fermentation und somit auch die Gasbildung aus, die Gläser sollten also nicht explodieren. Falls doch, war ich nicht schuld. Und wenn der Inhalt noch etwas fad schmeckt, einfach noch ein paar Tage länger stehen lassen – Fermentieren kann so entspannt sein.

Bei der Fermentation geht es eben um den eigenen Geschmack. Wir lieben einen sehr sauren Geschmack, andere bevorzugen milderes Gemüse und sollten frühzeitig abschmecken. Du hast alle Freiheiten.

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Ist das noch gut oder kann das weg?

Beim Fermentieren sind Bakterien am Werk. Aber auch anderes Zeug und das bedeutet, dass sich zwangsläufig die Optik des Glasinhaltes ändert. Farben werden matter, die Lake wird trüb, das Volumen verringert sich und keine Sorge: Das ist alles okay.

Auch – und jetzt musst du stark sein – wenn sich Schaum oder in bestimmten Fällen sogar Schimmel an der Oberfläche bildet, ist das noch lange kein Grund, alles in der Bio-Tonne zu entsorgen, solange dies nur an der Oberfläche passiert, du es rechtzeitig entdeckst und das Gemüse nach wie vor gut mit Lake bedeckt ist. Vor allem für Schimmel gilt das aber nur, wenn er es um einen leichten (!), rein oberflächlichen (!) und sich gerade erst bildenden Befall handelt.

In diesen Fällen kannst du Schaum, Hefen oder eben Schimmel mit einem sauberen Löffel abschöpfen und mit frischer Lake auffüllen. Ist das Gemüse mit Wein- oder Kohlblättern abgedeckt, werden diese einfach entsorgt und ausgetauscht.

Übertreibe das Abschöpfen aber nicht. Je häufiger du im Gemüse herumstocherst, desto eher läufst du Gefahr, durch das panische Sauberhalten erst recht noch Dinge einzuschleppen, die du nicht in deinem fermentierten Gemüse haben willst. Und im Zweifelsfall ist die Bio-Tonne eben doch der sicherere Weg, der zweite Versuch gelingt bestimmt!

Rezept

Und mit diesen Freiheiten entlasse ich dich nun endlich aus diesem Monster von Post. Und zwar mit einem supersimplen Starterrezept für fermentierte Mixed Pickles. Und falls du jetzt Blut, äääh, Lake geleckt haben solltest: Das Buch Fermentieren: Gemüse einfach und natürlich haltbar machen ist eine super Lektüre um noch tiefer ins Thema einzusteigen.


Portionen 1 kg

Fermentierte Mixed Pickles mit Blumenkohl und Karotten

Zubereitungszeit 15 Minuten
Fermentationszeit 7 Tage
  • Blumenkohl in kleine Röschen teilen, Karotten in etwa 3 mm dicke, Zwiebel, Knoblauch und Jalapeño in feine Scheiben schneiden.
  • Pfeffer und Kreuzkümmelsamen grob mörsern. Zusammen mit dem Oregano unter das Gemüse mischen und alles in ein großes Gärgefäß füllen.
  • Salz in 1 l Wasser einrühren und über das Gemüse geben, bis alles bedeckt ist. Mit einem Stößel gut andrücken und die Oberfläche mit den Weinblättern bedecken.
  • Glas abdecken und mindestens 7 Tage bei Raumtemperatur (aber an einem etwas kühleren Ort ohne direkte Sonneneinstrahlung) fermentieren lassen.
  • Abschmecken. Das Gemüse sollte knackig sein und fein säuerlich schmecken. Du kannst es nun weiterfermentieren lassen oder das Glas fest verschlossen in den Kühlschrank stellen.

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Zu Steady

Die nerdige Hälfte von Eat this! Liebt es, auch aufwändiger zu kochen und ist deshalb vermutlich für die langen Rezepte auf dem Blog verantwortlich. Kann nie genügend Kochmesser haben und liebt Chilis in allen Formen und Farben. In der Freizeit sitzt er gerne auf dem Fahrrad und hört dabei Metal.


116 comments

Gib deinen Senf dazu!

  1. Hallo Jörg,
    Ich habe gerade deinen schönen Blogartikel gelesen. Ich hab mich beim Lesen aber echt erschrocken! Du sagst “schimmel einfach abnehmen” – das finde ich sehr gefährlich!!! Stichwort Aflatoxin, eins der stärksten Gifte der Welt! Ja es ist richtig das man durch oxidation braun gewordenes oberes Sauerkraut abnehmen kann, aber bei Schimmel geht das gar leider gar nicht!
    Bei deinen Bildern sieht man auch die Fehlerquellen: Ferment nicht immer ganz mit Lake bedeckt und aufschwimmende Kräuter… außerdem sollte man anstreben dass glas während des aktiven Fermentationsvorganges NICHT zu öffnen, da sich Schimmel nicht im anaeroben Bereich ausbreiten kann! Dazu muss man dann gute Bügelgläser benutzen, z.B. Fido
    Falls du dich nochmal informieren möchtest, empfehle ich den Blog “Wilde Fermente”

    Liebe Grüße

    1. Hallo liebe Selly,

      erstmal tausend Dank für deinen Kommentar und auch dafür, dass du dir Sorgen um uns machst.

      Dass du dich aber „echt erschrocken“ hast, bestätigt so ein bisschen die Annahme, dass die Fermentation in der Gesellschaft so ein bisschen zur alchemistischen Kunst avanciert ist. Auch wenn ich dir im gewissen Rahmen recht gebe – dazu gleich mehr –, sich zu „erschrecken“ hilft nicht gerade dabei, den Hobbyköchen das Selbermachen von Sauerkraut und Kimchi näherzubringen.

      Aber wie gesagt, ich gebe dir recht: Ich hätte mich besser ausdrücken sollen (und habe das mittlerweile). Es geht um leichten (!), oberflächlichen (!), sich gerade bildenden (!) Schimmel. Ich würde niemals jemandem empfehlen, komplett verwucherte Schichten zu entfernen und dann einfach weiterzufuttern.

      Das übrigens empfiehlt auch Sandor Katz und diesen wiederum zitiert Isa auf Wilde Fermente. So ähnlich (eigentlich viel derber) kann ich auch Kirsten und Christopher Shockey zitieren, die in ihren Büchern über die Fermentation ähnliches von sich geben. Hierbei angemerkt ist es nett, dass du mir Literatur empfiehlst, aber glaub mir, die ist vorhanden. Vielleicht gehe ich laxer mit meiner Schreibweise um und auch mit unseren Fermenten.

      Wir hatten dennoch bisher noch nie Probleme mit Schimmel in unseren Gläsern. Sogar, wenn ich Beschwerungssteine vergessen habe oder es mir einfach auch mal aus Faulheit wurscht war, ob oben ein bisschen was aus der Lake rausguckt (Stichwort „Fehlerquelle“). Warum? Weil ich der Überzeugung bin, dass der gesunde Menschenverstand beziehungsweise der Instinkt bei uns allen funktionieren sollte. Je sauberer man von Beginn an arbeitet, desto besser wird das Ergebnis.

      Ich hoffe, wir verstehen uns. 🙂

      Liebe Grüße
      Jörg

  2. Hallo Jörg, es macht wirklich Spass, Deine Anleitung zu lesen, da kann ich mir eine Scheibe von abschneiden, um beim Thema zu bleiben.
    Eine Anmerkung habe ich noch: ich fermentiere schon seit einer Weile in alten Weckgläsern und neuen Gummis. Ich habe noch nie die Gläser rülpsen lassen und mir ist auch noch nichts um die Ohren geflogen. Die Luft findet ihren Weg nach draussen, selbst bei den Schnappverschlussgläsern, die ich nur manchmal verwende. Hast Du in der Beziehung schon mal schlechte Erfahrung gemacht, oder hat Dir die Angst im Nacken gesessen, als Du den Beitrag geschrieben hast?

    1. Hi Martin!

      Du hast schon recht, die Weckgläser sind im Regelfall sehr einfach zu handhaben. Sicherheitshalber gebe ich den Rülpstipp trotzdem an, denn ich habe keine Lust auf eine Mail mit dem Betreff “Ihr seid schuld daran, dass ich meine Küche neu streichen muss”. Man weiß ja auch nie, welche Gläser die Leser so im Schrank stehen haben. 😉

      Liebe Grüße
      Jörg

  3. Ganz ganz toller Beitrag! Herzlichen Dank dafür. Ich liebe selbstfermentiertes Sauerkraut, damit zu kochen egal ob Sauerkrautlasagne oder Sükartoffel-Sauerkraut im Blätterteig mit Cashewsauce ist einfach der Hammer.

  4. Schichtweise und zeitweise?
    Ich bin begeistert! Als Fastselbstversorgerin kann ich mir nun einige „Hausbeete“ des Winters durch Fermentation ersparen. Was ich jedoch noch ausprobieren möchte: Wenn ich nun meinen 20 l Sauerkrauttopf nun nach und nach lagenweise und tageweise beschichte, dabei jeweils genügend Lake habe, funktioniert die Fermentation dann auch problemlos?
    Kann nicht alles auf einmal schnipseln und stampfen. (Sehnenscheidenentzündung)
    Klar, dass der Reifeprozess erst nach der letzten Lage berechnet werden kann.
    Soll ich es wagen?
    Zuerst mal Brokoli und Zucciniraspeln.
    Dann Karotten und dann am nächsten Tag Weißkraut oder…………..
    Insgesamt 3 bis 5 Tage. Dann dürfte der Topf voll und meine rechte Hand noch brauchbar sein.
    ??

    1. Hallo liebe Maxima,

      also mit einer schichtweisen Fermentation haben wir uns noch nicht beschäftigt. Bei deinem Zeitplan sehe ich da aber kein Problem. Erst recht nicht, wenn du das neu eingeschichtete Gemüse unterrührst und stampfst. Die Fermentation wird aber schon bei der ersten Befüllung starten, da gibt es natürlich keinen “Play”-Button. Ich würde deshalb mit den etwas festeren Zutaten starten und mich dann nach und nach vorarbeiten. Also beispielsweise käme mir logisch vor, harte Karotten vor weicher, zarter Zucchini in den Topf zu packen. 🙂

      Liebe Grüße
      Jörg

  5. Hallo Jörg,

    noch nie habe ich mit soviel Vergnügen ein Rezept oder andere poetische Ergüsse zum Thema Lebensmittel und Kochen gelesen!
    Ich bin nach einem Beitrag im Fernsehen auf das hochinteressante Thema “Fermentieren” gestossen und habe dann deinen Block durch Zufall entdeckt. Du hast es wirklich geschafft mich komplett abzuholen und sämtliche Fragen (von denen ich nach dem Fernsehbeitrag einige hatte) in Gänze zu beantworten. Da ich mich sehr für das Thema Kochen und gesunde Lebensmittel interessiere wird das Fermentieren in Zukunft in mein Repertoire aufgenommen. Vielen Dank für diesen toll geschriebenen Post, ich hätte noch stundenlang weiter lesen können…

    GlG, Oliver

    1. Hi Oliver!

      Oh wow, danke dir für dein mega Feedback! Freut mich, dass wir deine offenen Fragen beantworten konnten. Viel Erfolg und Spaß beim ‘rumfermentieren! 🙌

      Liebe Grüße
      Jörg

    2. Hallo Jörg,

      schöne Rezepte und ein gut geschriebener Blog.

      Nur eines möchte ich anmerken, beim Thema Salz scheint es keine eigenen Recherchen zu geben und jeder Blogger schreibt vom anderen ab. Nach meinen eigenen Erfahrungen tut auch jedes Standardsalz seine Dienste, Lactobazillus lässt sich weder von Jod noch von Rieselhilfen wie Calciumcarbobat oder Magnesiumcarbonat nerven. Ursalz oder sonstiger Schnickschnack ist eher Preisschinderei durch geschicktes Marketing.

      Natriumchlorid tut’s und das kann auch gern aus den bekannten Salzlagerstätten kommen.

      Grüße Tom

      1. Hi Tom!

        Erstmal Danke für die nette Einleitung.

        Zu deiner Anmerkung kann ich aber jetzt nur folgendes sagen: Ist immer weniger nett, wenn einem grundlos Faulheit oder gar Plagiarismus vorgeworfen wird. Insbesondere, wenn der Vorwerfende nur aus “eigenen Erfahrungen” berichten kann, sich aber nicht auf Fakten bezieht.

        Jod wirkt antibakteriell, das hat nix mit Abschreiberei zu tun. Ob der Jodgehalt in Salz X oder Salz Y nun ausreicht, um die Fermentation zu bremsen oder gar zu verhindern, mag von Fall zu Fall unterschiedlich sein, aber sinnvoll ist es doch allemal, hindernde Stoffe gänzlich zu vermeiden, wenn das easypeasy möglich ist, oder?

        Und dass wir einfach keine Billig-Rieselhilfen im Salz haben möchten, hat in dem Fall nichts mit der Fermentation zu tun, sondern liegt an einem Qualitätsanspruch, der nachvollzogen werden kann … oder eben nicht. Ich gebe dir aber recht, dass Calcium- und Magnesiumcarbonat kein Problem darstellen.

        Nix für ungut
        Jörg

  6. Liebe Nadine und lieber Jörg,

    ich schreibe euch grade aus dem Italienurlaub mit viel Pizza, Eis und süßen Teilchen. Ich genieße das zwar, freu mich aber jetzt schon wieder auf meine Küche daheim und bin auf der Suche nach neuem Kochinput auf euer Fermentierrezept gestoßen. Bin sehr angefixt und werd das nachmachen! Viele Grüße nach Ulm (das ich by the way wie immer vermisse, egal, wo ich im Urlaub bin und wie schön es da ist)
    Bianca

  7. Chilisauce? Nicht verlinkt? Meine Chilis sind demnächst so weit, bzw ist die Frage ob sie überhaupt noch rot genug werden, eine Hilfe zur haltbaren Verarbeitung wäre toll 😉

    1. Hallo lieber Lars,

      nicht verlinkt, da nicht auf dem Blog. 😉
      Ich habe aber immer noch ein paar Chilis seit 2015 im Fermentationsglas, das Rezept kommt also noch. Irgendwann. 😆

      Du kannst die Chilis bis dahin aber genauso fermentieren, wie im Beitrag beschrieben. Auch gerne mit Knoblauch und/oder Gewürzen. Dann stehen lassen, solange, wie du dich traust und im Anschluss pürieren – eventuell mit etwas Xanthan, um die Sauce etwas anzudicken. Viel Spaß! 🙂

      Liebe Grüße
      Jörg

  8. Hallo, naaa so ein toller wunderschöner Eintrag. Ich freu mich zu starten. Du hast gesagt jeden Tag öffnen um die Gase entweichen zu lachen. Wenn ich das Glas dann nach 7 Tage in den Kühlschrank stellen. Muss ich dann 3 Wochen jeden Tag einmal am Tag öffnen oder nur wenn es bei Raumtemperatur 7 Tage steht? Nach drei Wochen kann ich das Kohlblatt und die Tasse raus nehmen und so sollte es dann 6-12 Monate haltbar sein , habe ich gelesen. Danke und vielen Dank für deine Zeit

    1. Hi Sarah,

      mach’ dir keinen zu großen Kopf darum, wann exakt du die Gläser “lüften” musst. Einfach ab und zu prüfen, dann passt das schon. Und ja, Kohl- oder Weinblätter müssen nach dem Umfüllen bzw. beim Lagern im Kühlschrank nicht mehr mit ins Glas, aber es macht auch absolut nichts aus, wenn du die drin lässt. Sie helfen schließlich dabei, dass das eigentliche Ferment mit Flüssigkeit bedeckt bleibt. 🙂

      Liebe Grüße
      Jörg

    1. Hi!

      In der Theorie, ja, wie ich ja geschrieben habe. Allerdings kann das Ferment leichter “kippen”, da das Salz ja auch die schlechten Mikroben von der Ausbreitung abhält. Abgesehen davon sorgt Salz für eine bessere Konsistenz und natürlich auch für den Geschmack, weshalb wir darauf nicht verzichten wollen würden. 😉

      Liebe Grüße
      Jörg

      1. Hallo, das Thema Salz hat mich auch beschäftigt. Ich sah eine Doku über gut ehaltene Mumien bei denen mann nicht wusste wie sie mumifiziert wurden, ich denke sogar mit den Organen.
        Dann haben es die Wissenschaftler geschafft das Geheimnis zu lösen- Salzlake.
        2018 wurde von der Berliener Charité veröffentlicht, dass Salz (je nach Menge natürlich) Lactobacillen im Darm abtötet.
        Ab da habe ich begonnen zu fermentieren ohne Salz. Und es funktioniert. Wichtig ist tatsächlich, dass das Gemüse unter Wasser liegt. Inzwischen habe ich genügend “Saures” und gebe in jedes neue Glas etwa einen Löffel als Starter. In Punkto Geschmack, uns schmeckt es. Gesalzen wird es etwa zwei Stunden vor dem Servieren, damit es ziehen kann.
        Seit dem ich es so mache, bleibt die Flüssigkeit in den Gläsern völlig klar, wird nicht trüb. Und das Gemüse bleibt knackig. Und ich habe keine Bauchbeschwerden mehr. Mit salzigem Sauerkraut hatte ich immer Probleme. Salz ist schliesslich auch ein Konservierungsmittel, ich gehe inzwischen äusserst sparsam damit um.
        Seit Kurzem gibt es bei uns auch Joghurt aus Rohmilch die nicht gekocht wurde! Nur handwarm erwärmt und beimpft. Der Joghurt ist sehr schmackhaft und überhaupt nicht schleimig wie aus der Pastmilch. Es ist vermutlich ein Hybrid aus Joghurt und Dickmilch und unglaublich lecker.
        Das sind tatsächlich wahre LEBENSMITTEL! Probieren lohnt sich auf jeden Fall.
        Gruss, DM

      2. Hi!

        Ich vermute, du machst dir ein wenig zu viele Gedanken über den Salzgehalt deiner Fermente. Wir züchten hier ja Milchsäurebakterien. Um alle abzutöten bräuchte es ganz andere Salzmengen. 😉

        Aber klar, wenn es dir so auch mit dem Magen besser geht, dann würde ich natürlich auch nicht von der persönlich bewährten Methode weggehen. Aber eigentlich hilft das Salz ja dabei, das Gemüse vor Mikroben zu schützen, die schlussendlich auch Magenprobleme bereiten können.

        Liebe Grüße, Jörg